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Rizinusöl

Haare, Haut, Wimpern, Anwendung, Wirkung | Wo kaufen?

Über wenige Heilmittel sind so viele Halb-Wahrheiten im Umlauf wie über das Rizinusöl. Erst im Jahr 2012 konnte man am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim in einer Studie entschlüsseln, warum Rizinusöl tatsächlich auf die Muskelzellen im Darm und bei Schwangeren die Wehentätigkeit in Gang bringt. Denn dies sind die klassischen Einsatzfelder in der Heilkunde, die bereits in der Antike bekannt waren.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch sehr viel breiter gefächert: Rizinusöl wirkt als Einreibung oder Auflage gegen Tumore und Zysten, bei Verdauungsproblemen und arthritischen Schmerzen, aber auch bei Warzen, Akne, Narben oder Altersflecken. Auch als Massageöl mit durchblutungsfördernder Wirkung tut es gute Dienste. Zusätzlich eignet es sich beispielsweise zur Pflege von brüchigem sprödem Haar und zur Hautpflege.

Gewonnen wird Rizinusöl aus den Samen des Wunderbaums, Ricinus Communis, den die Ägyptern bereits vor über 4000 Jahren anbauten. In seinem Stammland, Indien, erreicht der Wunderbaum bis zu 13 Meter Höhe, während er in subtropischen Ländern als Strauchpflanze bekannt ist. Als Haus-, Heil- und Pflegemittel, für die Kosmetik oder auch als Lampenöl hatte Rizinusöl sicher einen festen Platz in jedem antiken Haushalt.

Im Kräuterbuch des Adam Lonitzer, Lonicerus, verfasst um 1582, wird vor allem die abführende Wirkung des Rizinusöls beschrieben. Heute wird Rizinusöl für industrielle, kosmetische und medizinische Zwecke im großen Stil produziert. Dabei liefern Indien, China, Thailand, Paraguay und Brasilien etwa 80% der Gesamtmenge.

Rizinusöl ist ungiftig, fast geruchlos, farblos oder leicht gelblich und dabei klar und dickflüssig. Aufbewahren sollten man Rizinusöl bei normaler Zimmertemperatur in einer braun getönten Flasche oder in einem dunklen Schrank.

Anwendung und Wirkung

Als Hautpflegemittel wirkt Rizinusöl fast Wunder: Es glättet und spendet Feuchtigkeit, zieht intensiv ein, schützt und soll obendrein die Kollagen-Produktion fördern: Die Haut wird weicher, Fältchen glätten sich. Weniger bekannt ist, dass Hautverletzungen aller Art rascher heilen, wenn man sie mit Rizinusöl behandelt. Offenbar wirkt es auch entzündungshemmend: Akne und Hautreizungen klingen damit ab, ähnliches gilt für Ringelflechte.

Zudem kann Rizinusöl als Kompresse oder Auflage auf eine schmerzende oder wunde Körperstelle gelegt werden. Das Öl sollte dabei etwa handwarm sein und mit einer Wärmflasche auch warm gehalten werden. Nur bei wenigen Menschen treten Jucken, Brennen oder Unbehagen auf, was die Anwendungsdauer entsprechend verkürzt. Normalerweise sind auch regelmäßige Langzeitanwendungen möglich.

Menschen mit sensiblem Magen oder Frauen, die unter heftigen Menstruationsblutungen leiden oder schwanger sind, sollten vorsichtshalber auch auf die äußerliche Anwendung von Rizinusöl verzichten.

Unter den Abführmitteln ist Rizinusöl auch heute noch das bekannteste und rangiert auf Platz 4 neben Medikamenten wie Dulcolax oder Lefax, Glaubersalz oder Spezialtees. Wer häufig unter unangenehmer Verstopfung mit aufgetriebenem Bauch und Völlegefühl leidet, sollte allerdings ständig und ausschließlich mit Abführmitteln dagegen vorgehen, sondern die mögliche Ursachen vom Arzt abklären lassen. Längerfristig helfen gegen chronische Verstopfung meist eine Umstellung der Lebensweise und Ernährung sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Eine wichtige Rolle spielt Rizinusöl als Abführmittel heute bei Entgiftungsmaßnahmen des Körpers, beispielsweise vor dem Beginn einer Fastenkur. Viele Mediziner und Naturheilkundler gehen davon aus, dass Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Alzheimer, Grüner Star oder Parkinson auf im Körper angelagerte Umweltgifte und Schwermetalle zurückzuführen sind.

Auch wenn nicht immer eine dramatische Erkrankung eintritt: Umweltgifte im Organismus schwächen das Immunsystem und beeinträchtigen das Allgemeinbefinden. Bei Schlafstörungen, Depressionen, Verdauungsproblemen, Heißhungerattacken oder vielen allergischen Erscheinungen liegt der Verdacht auf eine Überlastung mit Umweltgiften, Rückständen von Medikamenten, oft sogar auf einen Befall mit Candida-Pilz oder Darmparasiten nahe. Eine systematische Ausleitung und Darmreinigung trägt dann dazu bei, wieder vital und ausgeglichen zu werden.

Die abführende und entgiftende Wirkung von Rizinusöl wird nicht auf direktem Wege von den Inhaltsstoffen ausgelöst, sondern durch die Aktivierung bestimmter Vorgänge im Körper und die Bildung körpereigener Substanzen. Dafür kann Rizinusöl ruhig öfter angewendet werden, eine „Desensibilisierung“ findet keinesfalls statt.

Wie alle Fette und Öle wird auch Rizinusöl im Zwölffingerdarm aufgespalten. Dabei bildet sich in der Darmwand ein Hormon, das in den Blutkreislauf eintritt und von dort aus Bauchspeicheldrüse und Gallenblase aktiviert. Das dabei gebildete Sekret wiederum ermöglicht die Verdauung und Aufspaltung des Öls in Fett- und Ölsäuren und Glycerin.

Bei der Verdauung von Rizinusöl entsteht vor allem Ricinolsäure. Diese setzt natürliche Histamine frei, die die gesamte Darm-Muskulatur in Bewegung bringen: Der Darminhalt wird dabei beschleunigt aus dem Körper befördert.

Zusätzlich werden in der Leber deponierte Gifte, Schwermetalle oder Rückstände von Medikamenten in den Zwölffingerdarm abgegeben. Im Gegensatz zu anderen Fettsäuren verhindert die Ricinolsäure die erneute Aufnahme dieser unerwünschten Substanzen durch die Darmwand aufgenommen. Sie werden stattdessen mit dem übrigen Darminhalt ausgeschieden.

Bei diesem speziellen Fettaufspaltungsprozess wird auch die Prostaglandin-Synthese in Gang gesetzt. Sowohl auf den Muskelzellen des Darms als auch auf der Gebärmutter sitzen G-proteingekoppelte Rezeptoren, bekannt als EP3, die dabei angesprochen werden, Darmmuskulatur oder Uterus kontrahieren dadurch.

Erst im Mai 2012 kam man der beschriebenen Wirkungsweise des Rizinusöls im Rahmen des bereits genannten Forschungsprojekts der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., endgültig auf die Spur.

Gegenanzeigen für den Einsatz von Rizinusöl sind blockierte Lebergänge, Gallensteine, Kolitis, bestimmte Schilddrüsenerkrankungen und die Einnahme von Antihistaminika: In all diesen Fällen können drastische Nebenwirkungen auftreten. In der Praxis und mit entsprechender Vorsicht angewendet, hat sich Rizinusöl als Abführmittel jedoch sogar bei der Behandlung von Kindern bewährt und wirkt eher mild.

Stärkere Reaktionen auf Rizinusöl können unter anderem auch davon abhängen, welche und wie viele Gifte bei der Anwendung aus Leber und Gallenblase in den Zwölffingerdarm gelangen: Je mehr Gifte zu „entsorgen“ sind, desto heftiger oder mühsamer der Abführ-Vorgang. Auch die Prostaglandin-Synthese ist abhängig von der Ausscheidung ganz bestimmter Gifte – um welche es sich genau handelt, bleibt noch zu untersuchen.

Inhaltsstoffe

Die Samen-Ausbeute für die Gewinnung von Rizinusöl ist abhängig vom Klima und der Ergiebigkeit der Pflanze. Die Kerne oder Samen im Inneren der Rizinus-Frucht enthalten bis zu 50% Öl und oft über 20% Proteine. Insgesamt 3% bestehen aus dem hochgiftigen Protein Rizin, maximal 1,5% aus dem Pyridin-Alkaloid Ricinin, das ebenfalls stark toxisch wirkt, zusätzlich ein starkes Allergen, bekannt als CB-1A. Doch die Gifte und das Allergen gelangen bei der Kaltpressung nicht in das Öl, sondern verbleiben im Presskuchen. Dieser wiederum wird erhitzt, um die toxischen Eiweiß-Strukturen zu zerstören. Daher können Rückstände aus der Pressung unbedenklich als Tierfutter verwendet werden.

Das reine kalt gepresste Rizinusöl besteht überwiegend, nämlich zu bis zu 85%, aus dem Triglycerid der Ricinolsäure, auch als Triricinolein bezeichnet, die bei der Aufspaltung im Darmtrakt auch wieder freigesetzt wird. Weitere Glyceride werden aus den diversen anderen Fettsäuren gebildet: Linolsäure, zu etwa 4,2%, 3% Ölsäure, 1% Palmitinsäure, daneben geringe Mengen von Stearinsäure, Dihydroxystearinsäure, Linolensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, und Eicosensäure, auch als Gadoleinsäure bekannt. Der Wassergehalt beträgt maximal 3%, der Anteil an freien Fettsäuren unter 1%. Verunreinigungen sind bei hochwertigem Rizinusöl zu vernachlässigen. Der eigentliche Wirkstoff im Rizinusöl ist tatsächlich die Ricinolsäure, die wiederum die bereits beschriebene „Kettenreaktion“ im Zwölffingerdarm auslöst.

 

Einnahme und Rezepte

Bei der äußeren Einnahme oder für Auflagen wird die Menge des Öls dem Bedarf angepasst. Komplizierter wird es beim Einsatz von Rizinusöl als Abführ- oder Entgiftungsmittel. Grundsätzlich empfiehlt es sich, mit einer kleinen Dosis, etwa 15 ml bei einem Erwachsenen, bei einem Kind mit 5 ml zu beginnen und die Verträglichkeit festzustellen. Allmählich erhöht man die Dosis auf bis zu 60 ml bei Erwachsenen, auf etwa 10 ml bei Kindern. Um Übelkeit zu vermeiden, sollte das Öl auf nüchternen Magen eingenommen werden.

Weil der Geschmack nicht immer angenehm ist, hilft entweder reichliches Einspeicheln – schon dabei spalten sich bereits die Wirkstoffe Ricinolsäure und Glycerin ab – oder man mischt die Dosis mit warmer Milch oder heißem Kaffee. Auch kalter Fruchtsaft eignet sich zum besseren Schlucken. Eine Wärmflasche unterstützt die Gallensekretion nach der Einnahme. Hochprozentiger Alkohol, wie oft empfohlen, mindert dagegen die Wirkung.

Eine zu häufige Anwendung von Abführmitteln, auch vom natürlichen Rizinusöl, bringt den Elektrolyt- und Mineralstoffhaushalt des Organismus aus dem Gleichgewicht und schwemmt verstärkt Kalium und Wasser aus. Das verstärkt ohnehin vorhandene Verdauungsprobleme. Daher empfiehlt sich die Anwendung von Rizinusöl zu Abführzwecken in angemessenen zeitlichen Abständen. Je mehr Gifte ausgeschieden werden, desto stärker fällt die jeweilige Reaktion auf das Rizinusöl aus. Auch daher sollte eine Einnahme als Abführmittel stets mit der niedrigsten Dosis beginnen.

Fazit

Mediziner verwenden Rizinusöl als Bestandteil von Wehencocktails. Bei der langfristigen Behandlung von Darmproblemen oder um eine gezielte Entgiftung des Organismus durchzuführen, ist ebenfalls ärztliche Begleitung angeraten, um Nebenwirkungen oder heftige Reaktionen auf das Rizinusöl zu vermeiden und um bestimmte Gegenanzeigen auszuschließen.

Als Hausmittel eignet sich Rizinusöl vor allem zu kosmetischen Zwecken oder für Umschläge und Auflagen. Korrekt angewendet, ist es ein mildes, aber wirksames Abführmitteln auch bei Kindern ab 10 Jahren.

Rizinusöl hat viele gute Eigenschaften. Es

  • heilt Hautirritationen und Hautverletzungen aller Art,
  • versorgt die Haut mit pflegender Feuchtigkeit,
  • ist ein probates Pflegemittel für sprödes, trockenes Haar,
  • hilft, den Körper zu entgiften: Auf diesem Wege bringt es unter anderem häufig allergische Symptome zum Abklingen oder zum Verschwinden, lindert virale oder bakterielle Infekte, beugt Gallensteinen vor, bessert das Allgemeinbefinden, wirkt wie ein mildes Schlafmittel oder Antidepressivum.
Wer schreibt hier

Herbert Havera

Herbert Havera ist Autor und beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit der Thematik Ernährung/ Gesundheit. In seiner Recherche sind mehrere Stunden an Arbeit geflossen bzw. stehen wir generell im engen Kontakt mit Forschungseinrichtungen, Mediziner und Anwendern. Dank der wertvollen Informationen aus unserem Netzwerk, sind wir in der Lage stets fundierte Informationen rund um Heilmittel bieten, die uns die Natur freiwillig anbietet. Der enorme Vorteil von Naturheilmitteln ist, dass sie meistens frei von Nebenwirkungen sind. Dennoch dürfen sie nicht hemmungslos konsumiert werden. Wir klären Sie darüber auf, welche Tagesdosis unbedenklich, ideal und nicht mehr gesund ist. Denn wie Paracelsus schon sagte: „Nichts ist Gift, alles ist Gift – alleine die Dosis macht das Gift“.  Wir bieten Ihnen Informationen stets nach einer fundierten Recherche. Wir forschen intensiv nach den neuesten Studien, in denen sich die Naturheilmittel unter strengen Tests bewähren mussten. Und wo sich ein angepriesenes Mittel nachweislich als Mummenschanz und Quacksalberei entpuppt hat, lassen wir Sie das ebenfalls wissen. 

Quellenangabe

Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika: Agroenergiepflanzen-Glossar – Rizinus. Auf dcl-berlin.de, abgerufen am 8. Februar 2019.

Globaler Verbrauch Pflanzenöle 2008 (Memento vom 10. Februar 2010 im Internet Archive). Verband der Ölsaaten verarbeitenden Industrie in Deutschland OVID, 2009, abgerufen am 8. Februar 2019.

Rolf A. C. Rottländer: Der Brennstoff römischer Beleuchtungskörper. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst. 13, 1992, doi:10.5169/seals-395534.

N. Groom: The Perfume Handbook. Springer, 1992, ISBN 978-94-010-5015-9, S. 45.

Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern.Enke, Stuttgart 1902. Buch I, Kapitel 38: Ricinusöl – Buch IV, Kapitel 161: Ricinus

Galeni de simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus.In: C. G. Kühn, Leipzig 1826, Band 12, S. 26f.

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Peter Schöffer, Mainz 1485, Kapitel 395: Palma christi

Jacob Meydenbach. Mainz 1491, Kapitel 330

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